Kuestenbahn

21.05.15

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Die Küstenbahn


In diesem Kartenausschnitt läßt sich die Lage und Bedeutung der Küstenbahn sehr gut erkennen!

 

Rückblick
Als "Küstenbahn" wird die KBS-Strecke 393 (218 bis 1970 / 221g bis 1950) von Sande bei Wilhelmshaven über Schortens/Heidmühle, Jever, Wittmund, Burhafe, Esens, Holtgast, Fulkum, Dornum, Hage bis nach Norden bezeichnet.
Bereits am 15. Juni 1883 wurde diese Strecke eröffnet, im Jahre 1985 jedoch wurde das Teilstück von Esens nach Dornum stillgelegt und 1986 in einer "Nacht- und Nebelaktion" vollkommen abgebaut. Anstelle der Gleise baute man dann einen fast durchgängigen Radweg auf.
Das verbleibende Teilstück von Dornum nach Norden übernahm die Museumseisenbahn Küste Ostfriesland - kurz: MKO - mit Sitz in Norden. Die MKO betreibt auf diesem Teilstück eine Museumsbahn recht erfolgreich. Der gesamte Gleiskörper und die dazugehörenden Bahnanlagen werden von der MKO in eigener Regie unterhalten und bei Bedarf auch instand gesetzt. Im Zuge von Straßenbau-Modernisierungen im Bereich von Hage wurde der dortige Haltepunk komplett erneuert und hat heute fast ICE-Standard.
Das Teilstück von Sande nach Esens wurde zunächst von der DB weiter betrieben, wobei durch die bei der Bahn bekannte "Mangelwirtschaft" die Fahrgastzahlen immer weiter nachließen.
So kam, was kommen mußte: Die DB stellte die Fahrten ein und die NordWestBahn, kurz: NWB übernahm den Betrieb und führte die Fahrten dann mit neuen Triebwagen durch, worauf in der Folge die Fahrgaszahlen erfreulicherweise wieder deutlich anwuchsen.
Nachdem die NWB eine Komplettsanierung des von ihr betriebenen Streckenteils durchsetzte, konnte der eh schon höhere Komfort noch erheblich weiter gesteigert werden. Von nun an konnte von einer echten Erfolgsstory berichtet werden.
Am 29.11.2002 wurde in Esens der neue Haltepunkt, der aber mehr einer sehr modernen "Viehverladerampe" gleicht, auf der anderen Seite der Bahnhofstraße in Betrieb genommen. Gleichzeitig wurde alte Bahnhof aufgegeben und fristet seither ein eher trostloses Dasein. Der Bahnübergang wurde, da er nun nicht mehr benötigt wurde, auch wieder zurückgebaut. Im Jahr 2010 wurde das ehrwürdige Empfangsgebäude des alten Esenser Bahnhofes leider abgerissen. Es mußte, wie schon berichtet, den Lidl-Planungen weichen.
 

Gegenwart
In der Vergangenheit keimte immer wieder der Wunsch auf, die stillgelegte und abgebaute Strecke zu Reaktivieren. Aber erst in den Jahren ab 2008, nachdem die Esenser SPD anstelle des Bahnhofes einen neuen Lidl-Markt bauen wollte, wobei der ehemalige Bahnübergang zeitgleich in einen Kreisverkehr umgestaltet werden sollte, mehrten sich die Stimmen in der Öffentlichkeit für eine Reaktivierung ganz erheblich. Die Zeitung war von diesbezüglichen Leserbriefen zeitweise gut ausgelastet.
Eine von allen betroffenen Institutionen gemeinsam beauftragte Potentialstudie erbrachte ein durchweg positives Ergebnis für eine Reaktivierung der Strecke. ABER sehr zum Unmut aller Befürworter in Esens und den umliegenden Gemeinden und den Landkreisen Aurich und Wittmund mauerte die Esenser SPD-Politik weiterhin dauerhaft und konnte das Vorhaben Reaktivierung bislang zu 100% verhindern.
 

Für die jetzt angestrebte Reaktivierung müßte ein EVU gefunden werden, welches den Betrieb auf der besagten Strecke gesichert übernehmen könnte. Es würde auch ein entsprechendes Unternehmen ausreichen, welches die Strecke zu 100% übernehmen und die Infrastruktur voll und ganz unterhalten bzw. wiederherstellen möchte.

Beides ist leider im Bezug zur Küstenbahnreaktivierung nicht geschehen, obwohl es diverse Zusagen in diese Richtung gab.
Die Einwände von Privatpersonen gegen die beantragte Entwidmung der Teilstrecke in Esens zur Realisierung einer Überbauung für einen Lidl-Markt sind zwar vom EBA zur Kenntnis genommen worden, haben aber leider, rechtlich gesehen, keinen Einfluß.

 

Anfang des Jahres 2010 schien sich das Blatt zu wenden, denn die Esenser SPD lenkte aufgrund des Druckes durch die Bevölkerung ein. Man sprach wieder miteinander und siehe da: Lidl und Bahn waren auf einmal nebeneinander möglich.

Bei einem Gespräch mit hochrangigen Kommunalpolitikern  am 12. Feb. 2010 konnte ich in Erfahrung bringen, daß eine Umsetzung der bisherigen Planungen im Bereich Holtgast und Fulkum nicht möglich ist. Dies hängt von mehreren Faktoren wie z.B. den Eigentumsverhältnissen und der heutigen Bebauungssituation in den Dörfern ab. Auch ist die Einrichtung eines Haltepunktes in Holtgast und Fulkum wirtschaftlich fraglich, wobei es andere Beispiele gibt, die mit Bedarfshaltestellen sehr gute Erfahrungen gesammelt haben (wie z.B. der KVV und die AVG in der Karlsruher Region).
Als Alternative wird nunmehr ein Streckenverlauf von Uppum aus gesehen in einer leichten Schwingung zwischen Fulkum und Utgast hindurch und nördlich an Holtgast vorbei nach Esens geprüft. Damit könnte ein Haltepunkt für Holtgast, Fulkum und Utgast relativ zentral eingerichtet werden.

In Jahr 2010 wurde eine Bürgerinitiative gegründet - sie trägt den Namen "Bahn free vor'd Küstenbahn". Ziel ist es, daß gemeinde- und kreisübergreifend alle interessierten und betroffenen Personen, ungeachtet der Parteizugehörigkeit, Privat- oder Geschäftsmann, an dem Projekt mitarbeiten können (und auch sollen). Nur so können auch alle Interessen berücksichtigt werden und unnötiger Ärger bereits im Vorfeld vermieden werden.
Ein Jahr später, also 2011, hat sich eine BI gegen die Bahn gegründet. Ihr gehören vornehmlich Fulkumer Anlieger an. Das Ziel dieser BI ist, eine Bahnlinie durch Fulkum zu verhindern.  Die Argumente kann man unter www.fulkum.de  nachlesen

Zukunft
Für die Gemeinde Fulkum, aber auch für mich persönlich, stellt sich nun die grundsätzliche Frage, wie man nun mit dieser Situation umgehen soll, kann oder muß.
Auf der einen Seite würde im Zuge einer Reaktivierung auf der alten Trasse die dörfliche Idylle zerschnitten. In Fulkum wären einschneidende Umgestaltungen notwendig, um der Bahn den notwendigen Raum zu geben, denn nach dem Rückbau in den 80ern haben sich die betroffenen Flächen zu einem park-ähnlichem Zentrum gewandelt.
Natürlich keimen bei einem derartigem Vorhaben auch Gegenstimmen auf. Bahngegner nennen dabei den Lärm und Vibrationen als Begründung. Es stellt sich dann aber die Frage, ob denn ein Schwerlast-Lkw oder eine landwirtschaftliche Zugmaschine keinen Lärm und keine Vibrationen verursacht. Dies jedoch wage ich zu bezweifeln.
Auch die unendlich vielen Containerzüge von und zum Jade-Weser-Port werden sehr gerne als Gegenargument herangezogen. Dem stehen aber die zur Verfügung stehende Streckenbelastung entgegen. Die maximal zulässige Achslast auf der Strecke der Küstenbahn beträgt 18 Tonnen, für einen Containerzug werden aber mindestens 22,5 Tonnen benötigt. Somit ist dann also nur ein örtlicher Güter-Zuliefer-Verkehr möglich. Der wiederum ist bei den derzeitigen Prognosen bezogen auf den Dieselpreis zumindest eine Option.

Wenn die Bahn denn wirklich reaktiviert werden würde und der Streckenverlauf durch die Dörfer führen würde, müßten m.E. nach alle Bürger einvernehmlich an einem Strang ziehen. Der park-ähnliche Zustand muß beibehalten werden, das Straßenfest muß weiterhin möglich sein (Bus-Ersatzverkehr), die technische Sicherung der Bahnübergänge und der Haltepunkt muß sich harmonisch in das Dorfbild einfügen.
Auf der anderen Seite müßte überlegt werden, ob die Trasse nicht um Fulkum und Holtgast herum geleitet werden könnte. Allerdings wäre damit der Haltepunkt Fulkum sehr fraglich. Lärmtechnisch könnte sich die Umfahrung auch negativ auswirken, denn man würde die dann durchrauschenden Züge relativ lange hören können. Diesem könnte aber mit einer Lärmschutzwand begegnet werden - doch damit hätte man weiteren Ärger heraufbeschworen. Und ob sich das Umfahren überhaupt bewerkstelligen ließe, ist wegen dem Windpark Utgast sicherlich mit weiteren Schwierigkeiten verbunden.

 

Machbar wäre vieles, wenn man denn nur will! Doch dazu muß man miteinander reden. Wenn dies aber nicht geschieht, kann es passieren, daß den Fulkumern irgendwann etwas aufgezwungen wird, was ihnen überhaupt nicht recht ist.

 


Weitere Informationen siehe hier: Ostfriesische Küstenbahn – Wikipedia

Bilder von damals und heute werden im Fotoalbum geführt. Über Ergänzungen freue ich mich aber zu jeder Zeit.

 

   

 

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Stand: 19.06.14